Bitcoin bitte!

 In Blog, Unkategorisiert

Mehr als 2.500 Euro kostet ein Bitcoin derzeit. Viel Geld für eine Währung, die es eigentlich gar nicht gibt. Der hohe Preis zeigt aber auch gnadenlos die Schwäche des virtuellen Geldes: es schwankt so stark, dass es keine Verlässlich bietet – noch nicht.

Den Wert aufzubewahren, das ist eine der wesentlichen Aufgaben von Geld. Egal ob Muscheln, Gold und Silber oder Scheine: Wer sie im Tausch für eine Ware oder Dienstleistung annimmt, will sie irgendwann auch wieder für eine andere Ware oder Dienstleistung ausgeben. Und es ist nun mal praktischer Geld aufzubewahren als sagen wir Milch.

Da das virtuelle Geld aber neu ist, nicht von Notenbanken oder Staaten reglementiert wird, gibt es keine Erfahrungen, wie hoch sein wirklicher Wert ist. Dies führt zu enormen Schwankungen. Sind Cyberwährungen wie derzeit stark gesucht, steigt ihr Wert gegenüber den klassischen Währungen stark an. Werden Schwierigkeiten oder wie im Falle Bitcoin Betrügereien und Diebstähle bekannt, fällt ihr Kurs enorm. Es braucht also keinen Staat, der gut wirtschaftet oder fast Pleite geht, um den Wert der Währung zu bewegen. Es braucht nur Angebot und Nachfrage.

Das ist theoretisch bei Dollar, Euro & Co auch nicht anders. Nur dass bei den klassischen Währungen eben eine ganze Volkswirtschaft oder ein ganzer Wirtschaftsraum dahintersteht. Auf- und Abwertung erfolgen in eher homöopathischen Dosen. Zuwächse um mehrere hundert Prozent wie bei Bitcoin sind nicht üblich. Das sorgt bei allen Schwankungen immer noch für eine gewisse Berechenbarkeit. So sichern Unternehmen ihre Geschäfte gegebenenfalls gegen Währungsrisiken ab. Eine Absicherung kostet Geld, kann sich als Versicherung aber lohnen. Die Geschäfte gegen Bitcoin-Schwankungen abzusichern aber wäre fast unbezahlbar teuer.

Denn hier fehlt den Märkten neben jeder Erfahrung auch jegliche Möglichkeit, einen fundamentalen Wert zu bestimmen. Einen, der eben wahrscheinlich nicht weit unter- oder überschritten wird. Wenn ich aber nicht weiß, ob ich in zwei Wochen für das Guthaben auf meinem Bitcoin-Konto ein Brot oder ein Boot kaufen kann, handelt es sich nicht um Geld, das Wert bewahrt, sondern um ein Investment. Und zwar ein risikoreiches.

So kann es sich durchaus lohnen, in Bitcoin zu investieren. Aber eben mit dem Ansatz, auf eine Geldvermehrung durch Rücktausch in reale Währungen zu hoffen. Nicht, um mit dem Bitcoin wirklich zu bezahlen. Insofern ist Bitcoin dem Gold ähnlicher als einer Währung: Bauartbedingt ist es nur begrenzt verfügbar, lässt sich also verknappen und so mit Wert füllen. Allerdings eben nur so lange, wie die Menschen an diesen Wert glauben, wie beim Zahlen mit Muscheln oder Gold eben auch.

Verlieren die Menschen den Glauben an den Wert der Bitcoin oder des Goldes, ist es nichts mehr wert, denn arbeiten kann man damit nicht. Vertrauen ist also die eigentliche Währung – und davon ist virtuelles Geld noch weit entfernt. Noch. Interessanterweise haben Regierungen wie die japanische bereits angefangen, Bitcoin zu vertrauen und damit in den Rang einer echten Währung zu hieven. Und noch mehr könnten Bitcoin eine Fluchtwährung für diejenigen werden, die ihrem eigenen Staat und dessen Geld nicht oder nicht mehr trauen. Insofern könnten auch die derzeitigen Krisen der Grund für den steilen Anstieg des Kurses sein. Und was heißt das für die Zukunft? An Krisen wird es nicht mangeln, also steigt der Bitcoin weiter? Nicht ganz so einfach, aber in der Tendenz durchaus richtig.