Sch…. auf die Prognosen

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Der Börsensommer war lau, jetzt hoffen viele auf einen Herbstaufschwung oder zumindest eine Jahresendrallye. Und wie immer geben viele dabei neue Prognosen ab – mit zweifelhaften Nutzen.

Das Jahresende wird wieder die Zeit der Prognosen. Oft genug wird jetzt schon gefragt, „Wo sehen Sie den DAX am Jahresende?“ oder „Wie wird der Dollar zum Euro Mitte 2018 stehen?“. Und es gibt tatsächlich Geldprofis, die darauf antworten, sich festlegen und einen genauen Wert zu einem genauen Zeitpunkt sehen. Hut ab vor diesem Mut – belohnt wurde er nur selten.

Denn Prognosen sind schlichtweg oft nicht das Papier wert, auf dem sie stehen – und noch nicht einmal den kostenlosen Serverplatz, den sie brauchen. Die Finanzwissenschaft hat gezeigt, dass Punktprognosen selten zutreffen. Sehr selten. Und je kurzfristiger sie ausgerichtet sind, desto geringer wird ihr prognostischer Wert – bis die Vorhersage der kommenden Stunde dann wieder etwas höhere Trefferquoten verspricht. Dass allerdings der DAX nicht bis heute mittag auf 8.000 Punkte fällt ist recht simpel vorherzusagen.

Langfristige Trendaussagen dagegen sind recht gut zu treffen und sie treffen auch recht oft zu. Das liegt daran, dass sich die Märkte in der Regel zwar von den vielen kleinen Aufgeregtheiten beeinflussen lassen. Sie schwanken zu Krisen und zu Feierstunden, sie lassen sich von politischen Akteuren bewegen oder von Notenbanken. Aber eines ist dabei sicher: sie schwanken immer um einen relativ fairen Wert, der sich aus den Fundamentaldaten der Unternehmen ableiten lässt.

Nur wenn ein Unternehmen Geld verdient, ist es für Anleger attraktiv. Nur wenn die Branche auch in Zukunft noch weiß, wie man Geld verdient, sind die Aktien ein Kauf. Und nur wenn ein Management auch Antworten auf grundlegende Fragen der weiteren Entwicklung hat, können Aktionäre beruhigt sein und mit einem guten Gefühl auf die nächste Dividende warten.

Fundamentale Analyse also ist letztendlich das Einzige, was einen erkennbaren Wert in eine Prognose bringt. Langfristig zumindest fahren Anleger damit deutlich besser als mit dem hektischen Blick auf die jeweils neuen Aufgeregtheiten der Märkte. Die sorgen für Bewegung und diese Bewegung ist vorhersehbar, nicht aber deren Richtung.

Trotzdem haben Börsenpropheten eine wichtige Rolle: Sie sind die Katalysatoren der Volatilität. Sie treiben gutgläubige Anleger mit ihrer Meinung in eine Richtung, sie liefern die Argumentation für eine Entscheidung und sie schaffen Fakten aus dem Nichts. Die Börse lebt von solchen Ideen und Meinungen, auch wenn der einzelne Anleger nicht gut davon lebt.